Tag 3 - Was soll am Max weiterleben?
Am dritten Tag wurde aus vielen einzelnen Arbeitsprozessen ein gemeinsamer Abschluss. Die Projekte wurden fertiggestellt, konnten von den anderen Schüler:innen angeschaut werden und zeigten, wie unterschiedlich die Ideen in den letzten Tagen gewachsen sind. Aus ersten Beobachtungen und Gesprächen wurden konkrete Lösungsansätze, die weitergedacht, ausprobiert und schließlich als fertige Projekte präsentiert wurden.
Jetzt geht es darum, welche Ideen tatsächlich weiterverfolgt werden sollen. Alle Projekte sind einsehbar und für das Voting freigegeben. Alle Schüler:innen haben zehn Stimmen und können damit die Projekte unterstützen, die am meisten überzeugen und aus ihrer Sicht am Max umgesetzt werden sollten.
Mit der Präsentation ist also noch nicht Schluss: Jetzt entscheidet sich, welche Ideen weiterverfolgt und tatsächlich umgesetzt werden können.
Die 3 Bilder des Tages
„Mitbestimmung braucht Verbindlichkeit“
Autor: Niklas Eilers
»Gu-ten Mor-gen Frau Lehr-er-in!« So oder so ähnlich startet wohl jede Unterrichtsstunde in Deutschland. Dann Hausaufgabenkontrolle. Und im Anschluss: Buch, Seite 64 Nummer eins bis drei.
Selbstverständlich ist das ein zynisches, wenn auch nicht selten zutreffendes – anekdotisches – Beispiel, eine sarkastische Einführung, die man als Unsinn abtun könnte. Doch sicher ist: Deutschlands Schulen bilden die Schülerinnen und Schüler nicht in einem solch ausreichenden Maße aus, das die abermals verheerenden PISA-Ergebnisse verhindert hätte. Jedem dritten Jugendlichen fehlt es demzufolge an grundlegenden Kompetenzen in den Bereichen Lesen und Mathematik. Jedem vierten in den Naturwissenschaften.
Ursächlich dafür ist jedoch gerade nicht in erster Linie die Unterrichtsgestaltung der Lehrkräfte, die glücklicherweise gerade an unserer Schule mit großem Engagement für Verbesserung zu sorgen suchen. Der Einstieg soll vielmehr zeigen: es liegt am System. Deutschlands Schulsystem ist veraltet, eingerostet, in die Jahre gekommen, schlicht nicht mehr zeitgemäß. Während es also im Alltag vieler Schülerinnen und Schüler nur um Leistung und das heißhungrige Warten auf die nächste Pause geht, sollte genau diese Tristesse in den Projekttagen rund um den „Hackathon“ hier am MAX aufgewirbelt werden.
Unter der Leitfrage „Was braucht das MAX, damit du hier besser lernen, mitgestalten und dich wohlfühlen kannst“ entwickelten die Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge fünf bis zwölf die kreativsten Projektideen für unsere Schule. Von einer Schülerzeitung über neue Raum- und Begrünungskonzepte bis hin zu einer Rutsche vom 1. Stock zum Schulhof war alles dabei. Und was ein Anruf bei Mc Donald’s damit zu tun hat, dazu später mehr. Während der 5. Jahrgang in erster Linie im Rahmen der Klassengemeinschaft arbeitete, fanden sich in den anderen Räumen Gruppen von Schüler*innen aller Jahrgänge – die Kleinsten arbeiteten direkt neben den Größten. Der Abiturjahrgang unterstützte hierbei bei Fragen und Problemen rund um die Projektentwicklung.
Insgesamt sorgten die mitunter auch vielfach kritisierten Freiheiten des Hackathons zunächst für Überforderung. Die Idee: Der 13. Jahrgang und die Lehrkräfte sollten coachend helfen, statt für Probleme direkt Lösungen vorzuschlagen, die Gruppen mit gezielten Fragen zu einer möglichen Lösung begleiten. Die Schülerinnen und Schüler waren dabei sehr viel stärker auf sich allein gestellt als üblich. Um sich Feedback einzuholen, tummelten sich so etliche Gruppen auf den Fluren, befragten Mitschülerinnen und präsentierten den Lehrkräften stolz erste Ideen. Dabei schien das Alter keine Rolle mehr zu spielen, doch manch einer schien sogar zum geborenen Erzieher zu avancieren. Wenn also 6. Klässlerinnen den Mut aufbringen, die Oberstufe nach Feedback oder Unterstützung auf diesen Fluren zu fragen und wenn jahrgangsübergreifend das Gefühl zu entstehen scheint, dass man eine richtige Schulgemeinschaft; Zusammenhalt, Austausch und ein Miteinander erlebt, dann ist es vielleicht sogar allein die Methodik, das WIE, das die vergangenen Projekttage wertvoll gemacht hat. Es war nämlich, als würde man die Schule, das Gebäude und die Menschen in ihm neu oder erst so richtig kennen- und wertzuschätzen lernen. Und allein das ist doch wohltuend: Keine Spaltung, sondern ein aus der eigenen Komfortzone Kommen, nach vereinzelter Verächtlichmachung eine Atmosphäre der Selbstverwirklichung. Obgleich dieses sich der „Filterblase“ Entziehen (auch abseits der digitalen Welt), nicht ohne Auseinandersetzung und Konflikt auskommt – gerade dieser Rahmen ermöglicht es doch, weitere Probleme zu adressieren. Und so entsteht eine Kultur des Ausprobierens, die weit von dem üblichen Schulalltag entfernt liegt. Sicher mag nicht alles zielführend und das meiste in Bezug auf die PISA-Studie überhaupt keinen Einfluss haben. Aber dieses Suchen nach neuen, eventuell moderneren Lernmethoden und Möglichkeiten, Schule zu gestalten und zu leben, kann durchaus als wichtiger Schritt in die richtige Richtung angesehen werden.
Während die Freiheiten also zu anfänglichem Chaos führten, wandelte sich dies am zweiten Tag, sodass am Ende eine positive Perspektive bleibt. Denn es lohnt sich nichtsdestoweniger auch der Blick auf das WAS:
Eine Gruppe aus dem 7. Jahrgang machte sich auf die Suche nach Sponsoren für ihre Idee einer Schülerzeitung. Im Rahmen einer AG sollen die wichtigsten und spannendsten Ereignisse der jeweils vergangenen Wochen aufbereitet und jeden zweiten Monat als Zeitung veröffentlicht werden. Dafür telefonierte man mit diversen Unternehmen aus der Region und bat auch die Emder Zeitung um Rat.
Als Problem identifiziert wurde des Weiteren die aktuelle Toilettensituation. Vandalismus, eine zum Teil überbordende Aufenthaltsdauer oder Streit, um nur einige zu nennen. Doch wie könnte man das lösen? In der Vergangenheit haben wir dazu schon etliche Ansätze miterleben müssen. Vielversprechend erscheint im Rahmen der Projekttage nun der Blick auf andere Schulen: Mit einem Chip muss man sich zur Öffnung der Toilettentüren „ausweisen“. Durch kontinuierliche Kontrollen kann dann einfacher eingegrenzt werden, von wem etwaige Schäden verursacht wurden. So soll der Vandalismus stark rückläufig und die Toiletten für alle Schülerinnen und Schüler zu einem angenehmeren Ort werden, den es nicht zu meiden gilt. Auf jeden Fall eine sehr spannende Idee, mit der man sich durchaus beschäftigen könnte.
Herauszuheben ist weiterhin das Projekt einer stärkeren Begrünung des Schulhofes. Dafür telefonierte eine andere Gruppe ebenfalls mit regionalen Unternehmen vor Ort – die Chefin von Mc Donald‘s soll Geld für Blumensaat zugesichert haben, sollte das Projekt vor der Umsetzung stehen.
Zuletzt sind es auch die Ideen, die im Verlaufe der Tage wieder verworfen wurden, die den Prozess der Projektentwicklung illustrieren: Nach jeder Stunde Feedback für jeden Schülerin, um sich verbessern zu können oder der Gedanke, Geschlechterungleichheiten stärker mitzudenken, schienen entweder wenig realistisch oder scheiterten an darauf aufbauenden konkreten Ideen. Genauso wie eine Rutsche vom Schuldach zur Sporthalle, um Sportlehrkräften wie Frau Termöhlen den alltäglichen Weg zur Halle zu ersparen – dieses Projekt wurde zugunsten der Idee einer Rutsche diesmal vom 1. Stock auf den Schulhof nicht weiterverfolgt.
Es geht um mehr Demokratie und Partizipation, die Etablierung neuer Lernmethoden, das Bauen eines Schulgartens und wie so oft – die Handyregelung. Abschließend aber vor allem darum, in die Umsetzung zu kommen. Jetzt gilt es, das Positive zu fördern und das Negative ins Positive umzukehren. Will sagen: Nicht durch Hervorheben und Wiederholen Probleme lediglich schildern und dadurch erhöhen, sondern den einen anstrengenden Schritt weiterzugehen und sich zu wagen, konkret zu gestalten. Was bleibt ist: Es mangelt wie immer an Geld. Doch die abermals desaströsen Ergebnisse der PISA-Studie zeigen: Es braucht Veränderung. »Diese Veränderungsprozesse sind kein Sprint, die sind immer ein Marathon«, schildert Herr Held dazu. In der Hoffnung, dass aus Mitbestimmung nun Verpflichtungen erfolgen, beenden wir den Rückblick auf die vergangenen Projekttage, die trotz gespaltener Meinungen, zumindest neue Möglichkeiten, Inspiration und Denkanstöße aufgezeigt haben dürften.
Tag 3 - Alle Bilder
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