Ab­len­kung durch Kopf­hö­rer und Smart­phones ex­pe­ri­men­tell un­ter­su­chen

Smart­phones und Kopf­hö­rer ge­hö­ren für vie­le Kin­der und Ju­gend­li­che selbst­ver­ständ­lich zum All­tag. Sie wer­den auf dem Schul­weg, im Bus, zu Fuß oder beim Fahr­rad­fah­ren ge­nutzt. Ein­ge­hen­de Nach­rich­ten, An­ru­fe oder Be­nach­rich­ti­gun­gen kön­nen je­doch dazu ver­lei­ten, das Smart­phone wäh­rend der Fahrt aus der Ta­sche zu neh­men. Da­durch wird die Auf­merk­sam­keit vom Ver­kehrs­ge­sche­hen ab­ge­lenkt. Beim Fahr­rad­fah­ren er­höht zu­dem das ein­hän­di­ge Fah­ren das Un­fall­ri­si­ko, da Len­kung, Brems­be­reit­schaft und Gleich­ge­wicht be­ein­träch­tigt wer­den kön­nen.

Im Rah­men des Pro­jekts un­ter­su­chen die Schü­ler:in­nen, wie sich die Nut­zung von Kopf­hö­rern und Smart­phones auf die Wahr­neh­mung und das si­che­re Ver­hal­ten im Stra­ßen­ver­kehr aus­wirkt. Als Aus­gangs­punkt kön­nen fol­gen­de Fra­gen die­nen:

  • Wel­che Ge­räu­sche sind im Stra­ßen­ver­kehr be­son­ders wich­tig?
  • Wie ver­än­dert Mu­sik die Wahr­neh­mung von Fahr­rad­klin­geln, Mar­tins­hör­nern oder her­an­na­hen­den Fahr­zeu­gen?
  • Wel­che Fol­gen hat es, wäh­rend des Fahr­rad­fah­rens auf ein Smart­phone zu schau­en?
  • War­um kann be­reits ein kur­zer Blick auf das Dis­play ge­fähr­lich sein?
  • Wel­che Re­geln gel­ten für die Nut­zung von Smart­phones und Kopf­hö­rern auf dem Fahr­rad?

Ex­pe­ri­ment zur akus­ti­schen Wahr­neh­mung

Die Schü­ler:in­nen pla­nen ein ein­fa­ches Ex­pe­ri­ment, das aus­schließ­lich in ei­ner si­che­ren und vom Stra­ßen­ver­kehr ge­trenn­ten Um­ge­bung durch­ge­führt wird. Da­bei tes­ten sie, wie gut un­ter­schied­li­che Um­ge­bungs­ge­räu­sche ohne Kopf­hö­rer so­wie bei ver­schie­de­nen Laut­stär­ke­ein­stel­lun­gen wahr­ge­nom­men wer­den. Als Si­gna­le kön­nen bei­spiels­wei­se eine Fahr­rad­klin­gel, ein akus­ti­sches Warn­si­gnal oder zu­vor auf­ge­nom­me­ne Ver­kehrs­ge­räu­sche ver­wen­det wer­den.

Die Er­geb­nis­se wer­den in ei­ner Ta­bel­le do­ku­men­tiert und mit­ein­an­der ver­gli­chen. Da­bei kann un­ter­sucht wer­den,

  • aus wel­cher Ent­fer­nung ein Si­gnal er­kannt wird,
  • wie schnell die Schü­ler:in­nen dar­auf re­agie­ren,
  • wel­che Un­ter­schie­de zwi­schen ver­schie­de­nen Laut­stär­ken be­stehen,
  • ob ein oder zwei ver­wen­de­te Kopf­hö­rer die Wahr­neh­mung un­ter­schied­lich be­ein­flus­sen.

Er­gän­zend re­cher­chie­ren die Ler­nen­den In­for­ma­tio­nen zum Hör­ver­mö­gen, zu dau­er­haf­ter Lärm­be­las­tung und zu mög­li­chen Hör­schä­den. Auf die­se Wei­se ver­bin­det das Pro­jekt na­tur­wis­sen­schaft­li­ches Ex­pe­ri­men­tie­ren mit Fra­gen der Ver­kehrs­si­cher­heit und des ei­ge­nen Mo­bi­li­täts­ver­hal­tens.

Smart­phone-Nut­zung beim Fahr­rad­fah­ren

Ein wei­te­rer Schwer­punkt liegt auf der Ab­len­kung durch Smart­phones. Die Schü­ler:in­nen kön­nen auf ei­nem ab­ge­sperr­ten Par­cours ver­glei­chen, wie sich eine zu­sätz­li­che Auf­ga­be auf das Fahr­rad­fah­ren aus­wirkt. Bei­spiels­wei­se kön­nen sie zu­nächst eine Stre­cke kon­zen­triert zu­rück­le­gen und an­schlie­ßend die­sel­be Stre­cke fah­ren, wäh­rend sie eine Denk- oder Be­ob­ach­tungs­auf­ga­be lö­sen. Das Smart­phone selbst soll­te da­bei wäh­rend der Fahrt nicht be­dient wer­den. Ziel ist es, er­fahr­bar zu ma­chen, wie ge­teil­te Auf­merk­sam­keit die Re­ak­ti­ons­fä­hig­keit, Spur­hal­tung und Wahr­neh­mung be­ein­flusst.

Ge­mein­sam wer­den au­ßer­dem die recht­li­chen Vor­ga­ben the­ma­ti­siert. Das Smart­phone darf beim Fahr­rad­fah­ren nicht in der Hand ge­hal­ten oder wäh­rend der Fahrt be­dient wer­den. Dies be­trifft un­ter an­de­rem:

  • Te­le­fo­nie­ren mit dem Smart­phone in der Hand
  • Schrei­ben oder Le­sen von Nach­rich­ten
  • Auf­neh­men von Fo­tos oder Vi­de­os
  • Hal­ten des Ge­räts in Er­war­tung ei­nes An­rufs
  • Tip­pen oder Wi­schen auf ei­nem Smart­phone in ei­ner Lenk­er­hal­te­rung

Auch an ei­ner ro­ten Am­pel darf das Ge­rät nicht be­dient wer­den, so­lan­ge die Per­son noch auf dem Fahr­rad sitzt. Da­für muss an­ge­hal­ten und ab­ge­stie­gen wer­den. Zu­läs­sig kann da­ge­gen die Nut­zung ei­ner Frei­sprech­funk­ti­on oder ei­ner be­reits ein­ge­stell­ten Na­vi­ga­ti­on sein, wenn sich das Smart­phone in der Ta­sche oder in ei­ner ge­eig­ne­ten Hal­te­rung be­fin­det und wäh­rend der Fahrt nicht be­dient wird.

Für die ver­bots­wid­ri­ge Han­dy­nut­zung auf dem Fahr­rad kann ein Ver­warn­geld von 55 Euro er­ho­ben wer­den. Bei ei­ner Ge­fähr­dung kann sich der Be­trag auf 75 Euro, bei ei­nem Un­fall auf 100 Euro er­hö­hen.

Kopf­hö­rer im Stra­ßen­ver­kehr

Das Te­le­fo­nie­ren oder Mu­sik­hö­ren über Kopf­hö­rer ist beim Fahr­rad­fah­ren grund­sätz­lich nur dann ver­tret­bar, wenn der Stra­ßen­ver­kehr wei­ter­hin aus­rei­chend wahr­ge­nom­men wer­den kann. Die Laut­stär­ke muss da­her so nied­rig ein­ge­stellt sein, dass Warn­si­gna­le, Fahr­zeu­ge und an­de­re Ver­kehrs­teil­neh­men­de recht­zei­tig ge­hört wer­den.

Zur Ver­rin­ge­rung des Ri­si­kos kann emp­foh­len wer­den, höchs­tens ei­nen Kopf­hö­rer zu ver­wen­den oder wäh­rend des Fahr­rad­fah­rens voll­stän­dig auf Kopf­hö­rer zu ver­zich­ten. Kommt es zu ei­nem Un­fall, kann eine ein­ge­schränk­te Wahr­neh­mung durch Kopf­hö­rer au­ßer­dem Aus­wir­kun­gen auf die Be­wer­tung des Un­fall­ge­sche­hens ha­ben. Je nach Si­tua­ti­on kann eine Mit­schuld an­ge­nom­men oder ein An­spruch auf Scha­dens­er­satz und Schmer­zens­geld ge­kürzt wer­den.

Aus­wer­tung und Er­geb­nis­si­che­rung

Zum Ab­schluss wer­ten die Schü­ler:in­nen ihre Be­ob­ach­tun­gen aus und dis­ku­tie­ren, wel­che Kon­se­quen­zen sich für das ei­ge­ne Mo­bi­li­täts­ver­hal­ten er­ge­ben. Ge­mein­sam ent­wi­ckeln sie Emp­feh­lun­gen für ei­nen si­che­ren und ver­ant­wor­tungs­vol­len Um­gang mit Smart­phones und Kopf­hö­rern im Stra­ßen­ver­kehr.

Die Er­geb­nis­se kön­nen bei­spiels­wei­se auf­be­rei­tet wer­den als:

  • In­for­ma­ti­ons­pla­kat
  • Fly­er für die Schul­ge­mein­schaft
  • kur­zer Er­klär­film
  • Pod­cast
  • di­gi­ta­le Prä­sen­ta­ti­on
  • So­cial-Me­dia-Bei­trag
  • Bei­trag für die Schul­web­site

Das Pro­jekt sen­si­bi­li­siert die Schü­ler:in­nen für die Be­deu­tung von Auf­merk­sam­keit und akus­ti­scher Wahr­neh­mung im Stra­ßen­ver­kehr. Gleich­zei­tig regt es dazu an, die ei­ge­ne Me­di­en­nut­zung kri­tisch zu re­flek­tie­ren und be­wuss­te Ent­schei­dun­gen für mehr Si­cher­heit beim Fahr­rad­fah­ren und auf dem Schul­weg zu tref­fen.

Wei­ter­füh­ren­de In­for­ma­tio­nen und Ma­te­ria­li­en