Pra­xis­bei­spiel: Be­we­gungs­an­ge­bo­te auf Schul­hof und Frei­ge­län­de

Be­we­gungs­spie­le und spie­le­ri­sche Übun­gen las­sen sich nied­rig­schwel­lig in den Schul­all­tag in­te­grie­ren und eig­nen sich be­son­ders für den Schul­hof und das Frei­ge­län­de. Sie för­dern nicht nur mo­to­ri­sche Fä­hig­kei­ten wie Kör­per­ko­or­di­na­ti­on, Gleich­ge­wicht, Kraft und Aus­dau­er, son­dern un­ter­stüt­zen auch die ko­gni­ti­ve, so­zia­le und emo­tio­na­le Ent­wick­lung der Schü­ler:in­nen. Ge­ra­de Spie­le, die den Kin­dern noch un­be­kannt sind, schaf­fen ver­gleich­ba­re Aus­gangs­be­din­gun­gen und kön­nen auch mo­to­risch schwä­che­re Kin­der zur Teil­nah­me mo­ti­vie­ren. Im Ei­fer des Spiels füh­ren vie­le Kin­der Be­we­gun­gen aus, die sie sich in ei­ner klas­si­schen Übung mög­li­cher­wei­se nicht zu­trau­en wür­den.

Be­son­ders ge­eig­net sind kur­ze, ab­wechs­lungs­rei­che Spiel­pha­sen, die re­gel­mä­ßig über die Wo­che ver­teilt an­ge­bo­ten wer­den. Meh­re­re Ein­hei­ten von we­ni­gen Mi­nu­ten sind da­bei häu­fig güns­ti­ger als eine lan­ge Be­we­gungs­pha­se. Sie kön­nen in Pau­sen, im Sport­un­ter­richt oder als kur­ze Un­ter­bre­chung des Un­ter­richts statt­fin­den und zu­gleich die Kon­zen­tra­ti­ons­fä­hig­keit för­dern. Sinn­voll sind Spie­le mit ei­ner ho­hen Be­we­gungs­dich­te, bei de­nen mög­lichst vie­le Kin­der gleich­zei­tig ak­tiv sind. Vie­le Spie­le er­mög­li­chen zu­dem selbst­be­stimm­te Pau­sen, wo­durch die Ge­fahr ei­ner Über­for­de­rung ge­ring bleibt.

Bei der Spiel­aus­wahl soll­te dar­auf ge­ach­tet wer­den, dass alle Kin­der ein­be­zo­gen wer­den und Er­folgs­er­leb­nis­se ha­ben kön­nen. Aus­schei­dungs­spie­le sind da­her we­ni­ger ge­eig­net, da häu­fig ge­ra­de mo­to­risch schwä­che­re Kin­der früh aus­schei­den. Auch Staf­fel- und Wett­spie­le soll­ten nicht dazu füh­ren, dass ein­zel­ne Kin­der sicht­bar vor der ge­sam­ten Grup­pe ver­lie­ren. Bes­ser sind ko­ope­ra­ti­ve Mann­schafts­auf­ga­ben so­wie Spie­le, bei de­nen Zu­falls­ele­men­te, Denk­auf­ga­ben oder un­ter­schied­li­che Fä­hig­kei­ten über den Er­folg ent­schei­den. Kin­der, die zu­nächst nicht teil­neh­men möch­ten, kön­nen das Spiel zu­erst be­ob­ach­ten und spä­ter frei­wil­lig ein­stei­gen.

Op­ti­mal sind leicht ver­ständ­li­che Spie­le, die kaum Vor­be­rei­tung und we­nig Ma­te­ri­al be­nö­ti­gen und sich auch au­ßer­halb des Klas­sen­raums durch­füh­ren las­sen. Ver­wen­de­te Ma­te­ria­li­en soll­ten al­ters­ge­recht, gut greif­bar, weich, halt­bar und deut­lich er­kenn­bar sein. Wer­den at­trak­ti­ve Spiel­ideen kon­ti­nu­ier­lich an­ge­bo­ten, über­neh­men Kin­der die­se häu­fig auch in ihr frei­es Spiel auf dem Schul­hof oder in der Frei­zeit. So kann Be­we­gungs­för­de­rung ohne gro­ßen or­ga­ni­sa­to­ri­schen Auf­wand zu ei­nem selbst­ver­ständ­li­chen Be­stand­teil des Schul­all­tags wer­den.

Pra­xis­bei­spie­le und Ma­te­ria­li­en

Für die mo­to­ri­sche För­de­rung wäh­rend der ge­sam­ten Grund­schul­zeit gibt es eine Fül­le von An­re­gun­gen bei In­sti­tu­tio­nen und Ver­la­gen. Wich­tig bei der Aus­wahl ist, kei­nen sport­li­chen Ehr­geiz zu ent­wi­ckeln, son­dern die För­de­rung so an­zu­le­gen, dass alle Kin­der – vor al­lem auch die mo­to­risch schwä­che­ren – von den An­re­gun­gen pro­fi­tie­ren.

Die Deut­sche Ver­kehrs­wacht gibt in ih­rem Me­di­en-Ser­vice zwei Hand­bü­cher her­aus und ver­treibt au­ßer­dem eine Rei­he von Psy­cho­mo­to­rik-Ma­te­ria­li­en so­wie Ma­te­ria­li­en für mo­to­ri­sche Fahr­rad­übun­gen. Die Ma­te­ria­li­en sind kos­ten­pflich­tig, ent­spre­chen je­doch den EU-Ge­sund­heits­vor­schrif­ten für die Ar­beit mit jün­ge­ren Kin­dern.

In­for­ma­tio­nen der Deut­schen Ver­kehrs­wacht

Eine Viel­zahl psy­cho­mo­to­ri­scher Ma­te­ria­li­en ist bei Aus­stat­tern für Kin­der­gär­ten und den Schul­sport er­hält­lich. Zu den größ­ten An­bie­tern ge­hö­ren:

Be­we­gungs­för­de­rung mit All­tags­ma­te­ria­li­en

Auch mit ein­fa­chen All­tags­ma­te­ria­li­en las­sen sich viel­fäl­ti­ge An­ge­bo­te zur Be­we­gungs­för­de­rung ge­stal­ten. Ge­eig­net sind bei­spiels­wei­se:

  • Luft­bal­lons
  • Wat­te­bäusch­chen
  • Zoll­stö­cke
  • ver­schie­de­ne Tü­cher
  • Tep­pich­flie­sen
  • Schwäm­me
  • Bier­de­ckel
  • Sei­le und Schnü­re
  • wei­te­re ein­fach ver­füg­ba­re Ma­te­ria­li­en

Ma­te­ria­li­en der Un­fall­kas­sen und der DGUV

Tra­di­tio­nell stel­len die Un­fall­kas­sen so­wie ihr Dach­ver­band, die Deut­sche Ge­setz­li­che Un­fall­ver­si­che­rung (DGUV), Hand­bü­cher und An­re­gun­gen zur Be­we­gungs­för­de­rung be­reit. Vie­le Ma­te­ria­li­en kön­nen bei der DGUV, den Un­fall­kas­sen oder den Ei­gen­un­fall­ver­si­che­run­gen kos­ten­frei be­zo­gen oder her­un­ter­ge­la­den wer­den.

„Vom Durch­ein­an­der­lau­fen zum Mit­ein­an­der­fah­ren“ ist zwar ein äl­te­rer Klas­si­ker, ent­hält aber wei­ter­hin zahl­rei­che hilf­rei­che An­re­gun­gen für mo­to­ri­sche Fahr­rad­übun­gen.

Be­weg­te Schu­le Nie­der­sach­sen

In Nie­der­sach­sen gibt es au­ßer­dem die Ak­ti­on „Be­weg­te Schu­le“, die eben­falls Ma­te­ria­li­en, Down­loads und An­re­gun­gen zur Be­we­gungs­för­de­rung be­reit­stellt: