Praxisbeispiel: Fahrrad- oder Rollerparcours durchführen
Ein Fahrrad- oder Rollerparcours bietet eine abwechslungsreiche Möglichkeit, grundlegende Bewegungsabläufe und die sichere Fahrzeugbeherrschung spielerisch zu trainieren. An verschiedenen Stationen werden vermeintlich einfache, aber für die Mobilität besonders wichtige Fähigkeiten wiederholt, stabilisiert und verbessert. Dazu gehören das sichere Bremsen, das Fahren enger Kurven, das Auf- und Absteigen, das Einschätzen unterschiedlicher Geschwindigkeiten sowie das schnelle und angemessene Reagieren. Auch das Einhalten einer vorgegebenen Reihenfolge, das gegenseitige Rücksichtnehmen und das gemeinsame Fahren nach festgelegten Regeln können Bestandteil des Parcours sein. Die Übungen ermöglichen wichtige Körper- und Bewegungserfahrungen, die für eine sichere Teilnahme am Straßenverkehr unverzichtbar sind.
Der Parcours kann auf dem Schulhof, einem Sportplatz oder einer anderen geeigneten und abgesicherten Fläche aufgebaut werden. Mögliche Stationen sind beispielsweise Slalomstrecken, enge Fahrspuren, Balanceübungen, Bodenwellen, kleine Wippen, Hindernisse aus Europaletten oder zwei parallel auf dem Boden liegende Seile. Auch das präzise Anfahren und Anhalten, das einhändige Fahren oder das kontrollierte Überqueren kleiner Hindernisse können geübt werden. Die einzelnen Elemente sollten dabei stets an das Alter, die Vorerfahrungen und den motorischen Entwicklungsstand der Schüler:innen angepasst werden. Durch einen modularen Aufbau lassen sich die Stationen flexibel zusammenstellen und immer wieder verändern. Bereits mit wenigen transportablen und untereinander austauschbaren Bauelementen können regelmäßig neue und motivierende Parcours entstehen.
Nicht alle Kinder sind motorisch oder emotional bereits dazu in der Lage, unmittelbar einen Fahrradparcours zu bewältigen. Viele Übungen können daher zunächst mit einem Tretroller durchgeführt werden. Der Roller bietet insbesondere unsicheren Kindern die Möglichkeit, Ängste abzubauen, Gleichgewicht und Koordination zu verbessern und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu entwickeln. Gleichzeitig kann er die Motivation steigern und den späteren Lernprozess auf dem Fahrrad vorbereiten und unterstützen. Die Schwierigkeit der Übungen kann schrittweise erhöht werden, sodass jedes Kind entsprechend dem eigenen Können beginnen und individuelle Fortschritte erzielen kann.
Zu Beginn werden die Stationen erklärt, gemeinsam besichtigt und gegebenenfalls langsam vorgeführt. Anschließend durchlaufen die Schüler:innen den Parcours einzeln oder in kleinen Gruppen und erhalten ausreichend Gelegenheit, die Übungen mehrfach zu wiederholen. Im Vordergrund stehen dabei nicht Geschwindigkeit oder Wettbewerb, sondern die sichere und kontrollierte Ausführung. Hindernisse und abwechslungsreiche Aufgaben besitzen einen hohen Aufforderungscharakter und motivieren die Kinder, neue Bewegungen auszuprobieren. Dadurch verbessert sich die individuelle Fahrrad- oder Rollerkompetenz häufig unbewusst und spielerisch. Diese sichere Fahrzeugbeherrschung leistet einen wichtigen Beitrag zur Unfallprävention.
Ergänzend können kooperative Aufgaben eingebaut werden, bei denen die Schüler:innen aufeinander achten, Abstände einhalten oder sich gegenseitig Rückmeldungen geben. So werden neben der Fahrtechnik auch Konzentration, Regelbewusstsein und soziales Verhalten gefördert. Zum Abschluss kann gemeinsam reflektiert werden, welche Übungen besonders anspruchsvoll waren und welche Fähigkeiten sich im Verlauf verbessert haben. Die Erfahrungen lassen sich anschließend auf konkrete Situationen im Straßenverkehr übertragen. Der Fahrrad- oder Rollerparcours eignet sich sowohl für einzelne Unterrichtseinheiten als auch als Bestandteil eines Verkehrssicherheitstages, einer Projektwoche oder der schulischen Radfahrausbildung.
Weiterführende Materialien und Informationen
- Fahrradparcours – Deutsche Verkehrswacht (Stand: 23.11.2020)
- Die Radfahrausbildung – Deutsche Verkehrswacht (Stand: 23.11.2020)
- Radparcours – Volksschule Garsten (Stand: 23.11.2020)
- Roller fahren – Radfahren lernen Kinder nicht über Nacht (Stand: 23.11.2020)
- Tretrollerparcours – Verkehrswacht Grafschaft Diepholz (Stand: 23.11.2020)