Bot­tom-up-Pro­jek­te zur nach­hal­ti­gen Mo­bi­li­tät ent­wi­ckeln

Bei die­sem Pra­xis­pro­jekt ent­wi­ckeln die Schü­ler:in­nen ei­ge­ne Ideen für eine nach­hal­ti­ge­re Mo­bi­li­tät an ih­rer Schu­le oder in ih­rem di­rek­ten Le­bens­um­feld. Im Mit­tel­punkt steht ein Bot­tom-up-An­satz: Die The­men, Fra­ge­stel­lun­gen und Pro­jekt­ideen wer­den nicht voll­stän­dig von der Lehr­kraft vor­ge­ge­ben, son­dern ent­ste­hen aus den Be­ob­ach­tun­gen, Er­fah­run­gen und In­ter­es­sen der Schü­ler:in­nen.

Zu Be­ginn set­zen sich die Ler­nen­den mit ih­rem ei­ge­nen Mo­bi­li­täts­all­tag aus­ein­an­der. Sie un­ter­su­chen bei­spiels­wei­se, wie sie zur Schu­le, zum Sport­ver­ein oder zu Freund:in­nen ge­lan­gen und wel­che Her­aus­for­de­run­gen ih­nen da­bei be­geg­nen. Da­bei kön­nen un­si­che­re Schul­we­ge, feh­len­de Fahr­rad­ab­stell­plät­ze, El­tern­ta­xis, schlech­te Bus­ver­bin­dun­gen, Lärm, Flä­chen­ver­brauch oder man­geln­de Bar­rie­re­frei­heit the­ma­ti­siert wer­den.

Ei­ge­ne Fra­ge­stel­lun­gen ent­wi­ckeln

Die Schü­ler:in­nen sam­meln zu­nächst Pro­ble­me, Wün­sche und Ver­bes­se­rungs­ideen. Dies kann durch Ge­sprä­che, Orts­be­ge­hun­gen, Fo­to­do­ku­men­ta­tio­nen, Um­fra­gen oder eine ge­mein­sa­me Ideen­samm­lung er­fol­gen. An­schlie­ßend wäh­len sie Fra­ge­stel­lun­gen aus, die für ihre Schu­le oder ihr Wohn­um­feld be­son­ders re­le­vant sind.

Mög­li­che Leit­fra­gen sind:

  • Wie kön­nen mehr Schü­ler:in­nen si­cher mit dem Fahr­rad zur Schu­le kom­men?
  • Wie lässt sich der Au­to­ver­kehr vor dem Schul­ge­bäu­de re­du­zie­ren?
  • Wel­che Schul­we­ge wer­den als un­si­cher wahr­ge­nom­men?
  • Wie kön­nen Bus- und Bahn­ver­bin­dun­gen bes­ser ge­nutzt wer­den?
  • Wo feh­len si­che­re Ab­stell­mög­lich­kei­ten für Fahr­rä­der und Rol­ler?
  • Wie kann Mo­bi­li­tät bar­rie­re­är­mer ge­stal­tet wer­den?
  • Wel­che Ver­kehrs­mit­tel sind be­son­ders um­welt- und kli­ma­freund­lich?

Auf die­ser Grund­la­ge bil­den die Schü­ler:in­nen Pro­jekt­grup­pen und ent­wi­ckeln ei­ge­ne Vor­ha­ben. Die Lehr­kraft be­glei­tet den Pro­zess, un­ter­stützt bei der Struk­tu­rie­rung und hilft da­bei, die Ideen auf ihre Um­setz­bar­keit zu prü­fen.

Pro­jekt­ideen ge­mein­sam pla­nen

Jede Grup­pe for­mu­liert ein kon­kre­tes Ziel und über­legt, wel­che Schrit­te für die Um­set­zung er­for­der­lich sind. Dazu ge­hö­ren bei­spiels­wei­se die Re­cher­che von In­for­ma­tio­nen, die Kon­takt­auf­nah­me mit mög­li­chen Part­nern, die Ver­tei­lung von Auf­ga­ben so­wie die Pla­nung von Zeit, Ma­te­ri­al und Prä­sen­ta­ti­ons­for­men.

Mög­li­che Bot­tom-up-Pro­jek­te sind:

  • eine Kam­pa­gne für mehr Rad- und Fuß­ver­kehr
  • eine Un­ter­su­chung ge­fähr­li­cher Stel­len auf dem Schul­weg
  • die Pla­nung neu­er Fahr­rad­ab­stell­plät­ze
  • ein Fahr­rad­ki­lo­me­ter-Wett­be­werb
  • ein au­to­frei­er Ak­ti­ons­tag
  • eine Be­fra­gung zum Mo­bi­li­täts­ver­hal­ten der Schul­ge­mein­schaft
  • eine Kar­te mit si­che­ren Schul­we­gen
  • eine Re­pa­ra­tur- oder Tausch­ak­ti­on für Fahr­rä­der
  • Ver­bes­se­rungs­vor­schlä­ge für Hal­te­stel­len oder Bus­ver­bin­dun­gen
  • eine In­for­ma­ti­ons­kam­pa­gne ge­gen El­tern­ta­xis

Die Schü­ler:in­nen ent­schei­den mög­lichst selbst­stän­dig, wel­che Auf­ga­ben sie über­neh­men und wie sie ihr Pro­jekt ge­stal­ten möch­ten. Da­durch ler­nen sie, Ver­ant­wor­tung zu über­neh­men, Ab­spra­chen zu tref­fen und ge­mein­sam Lö­sun­gen zu ent­wi­ckeln.

Pro­jek­te prak­tisch um­set­zen

Im wei­te­ren Ver­lauf füh­ren die Grup­pen ihre Vor­ha­ben ei­gen­stän­dig durch. Sie sam­meln Da­ten, füh­ren In­ter­views, er­stel­len In­for­ma­ti­ons­ma­te­ria­li­en, or­ga­ni­sie­ren Ak­tio­nen oder er­ar­bei­ten kon­kre­te Ver­än­de­rungs­vor­schlä­ge. Da­bei kön­nen In­hal­te aus un­ter­schied­li­chen Fä­chern mit­ein­an­der ver­bun­den wer­den.

Bei­spiels­wei­se las­sen sich Da­ten im Ma­the­ma­tik­un­ter­richt aus­wer­ten, Um­welt­wir­kun­gen in den Na­tur­wis­sen­schaf­ten un­ter­su­chen, Kar­ten im Geo­gra­fie­un­ter­richt er­stel­len oder An­schrei­ben und Prä­sen­ta­tio­nen im Deutsch­un­ter­richt vor­be­rei­ten. Auch ge­sell­schaft­li­che, po­li­ti­sche und wirt­schaft­li­che Fra­gen kön­nen ein­be­zo­gen wer­den.

Die Schü­ler:in­nen soll­ten re­gel­mä­ßig prü­fen,

  • ob ihr Pro­jekt­ziel noch er­reich­bar ist,
  • wel­che Auf­ga­ben be­reits er­le­digt wur­den,
  • wo Schwie­rig­kei­ten auf­tre­ten,
  • wel­che Un­ter­stüt­zung be­nö­tigt wird,
  • ob der ur­sprüng­li­che Plan an­ge­passt wer­den muss.

Feh­ler, Um­we­ge und ver­än­der­te Pla­nun­gen sind da­bei ein wich­ti­ger Teil des Lern­pro­zes­ses.

Er­geb­nis­se sicht­bar ma­chen

Zum Ab­schluss prä­sen­tie­ren die Grup­pen ihre Pro­jek­te und Er­geb­nis­se. Dies kann bei­spiels­wei­se im Rah­men ei­ner Aus­stel­lung, ei­ner Pro­jekt­mes­se, ei­ner Schul­ver­samm­lung oder auf der Schul­web­site ge­sche­hen. Be­son­ders wir­kungs­voll ist es, wenn die Schü­ler:in­nen ihre Vor­schlä­ge di­rekt an Per­so­nen wei­ter­ge­ben, die Ver­än­de­run­gen un­ter­stüt­zen oder um­set­zen kön­nen.

Dazu ge­hö­ren bei­spiels­wei­se:

  • die Schul­lei­tung
  • die Schü­ler:in­nen­ver­tre­tung
  • der Schul­el­tern­rat
  • die Kom­mu­ne
  • Ver­kehrs­be­hör­den
  • Ver­kehrs­un­ter­neh­men
  • Po­li­zei oder Ver­kehrs­wacht
  • lo­ka­le In­itia­ti­ven und Ver­ei­ne

Je nach Pro­jekt kön­nen ein­zel­ne Ideen un­mit­tel­bar um­ge­setzt, in das Schul­pro­gramm auf­ge­nom­men oder als lang­fris­ti­ges Vor­ha­ben wei­ter­ge­führt wer­den.

Vor­tei­le des Bot­tom-up-An­sat­zes

Der Bot­tom-up-An­satz er­mög­licht es den Schü­ler:in­nen, The­men zu be­ar­bei­ten, die sie selbst be­tref­fen und die sie als be­deut­sam wahr­neh­men. Da­durch steigt häu­fig die Mo­ti­va­ti­on, sich über ei­nen län­ge­ren Zeit­raum ak­tiv ein­zu­brin­gen.

Gleich­zei­tig er­fah­ren die Ler­nen­den, dass ihre Be­ob­ach­tun­gen und Ideen ernst ge­nom­men wer­den und Ver­än­de­run­gen an­sto­ßen kön­nen. Sie er­wer­ben da­bei nicht nur Wis­sen über nach­hal­ti­ge Mo­bi­li­tät, son­dern auch wich­ti­ge Fä­hig­kei­ten für ge­sell­schaft­li­che Be­tei­li­gung.

Das Pra­xis­pro­jekt för­dert ins­be­son­de­re:

  • Ei­gen­in­itia­ti­ve und Selbst­stän­dig­keit
  • Team­ar­beit und Ver­ant­wor­tungs­über­nah­me
  • de­mo­kra­ti­sche Be­tei­li­gung
  • Pro­blem­lö­se­fä­hig­keit
  • Kom­mu­ni­ka­ti­on und Kon­flikt­fä­hig­keit
  • Pro­jekt­pla­nung und Zeit­ma­nage­ment
  • kri­ti­sche Re­cher­che und Da­ten­aus­wer­tung
  • Krea­ti­vi­tät und Ge­stal­tungs­kom­pe­tenz
  • die Aus­ein­an­der­set­zung mit dem ei­ge­nen Mo­bi­li­täts­ver­hal­ten

Durch die ge­mein­sa­me Ent­wick­lung und Um­set­zung ei­ge­ner Pro­jekt­ideen er­le­ben die Schü­ler:in­nen nach­hal­ti­ge Mo­bi­li­tät nicht nur als Un­ter­richts­the­ma, son­dern als ei­nen Be­reich, den sie ak­tiv mit­ge­stal­ten kön­nen. So ent­ste­hen pra­xis­na­he Lö­sun­gen, die eng an den tat­säch­li­chen Be­dürf­nis­sen der Schul­ge­mein­schaft ori­en­tiert sind.

Wei­ter­füh­ren­de In­for­ma­tio­nen und In­hal­te